Ein Stück Vietnam in Berlin

Das Gemeindehaus Đình So, Hà Nội (Foto: Trần Trung Hiếu). Die Ausstellung in Karlshorst beinhaltet 18 Fotografien.

 

Ein Stück Vietnam in Berlin

von: Felix Klickermann

 

Das vietnamesische Gemeindehaus ist häufig eine Art Multifunktionsarena. Neben dem Sitz der Verwaltung ist es eine zentrale Stätte für religiöse, kulturelle, sportliche und wirtschaftliche Aktivitäten. Dort finden Ahnenkult- und Gemeindefeste statt, aber auch Theatervorführungen wie das Chèo, in dem Klänge von Musikinstrumenten wie der Reistrommel (trống cơm), Bambusflöten (sáo) und Kokusnussholz-Violinen (đàn gáo) vorkommen, zu Themen wie Liebe, Aufopferung und familiärem Zusammenhalt. Aber auch für alltägliche Zwecke wie Fußballspiele und Badminton-Turniere nutzen Gemeinden die Areale häufig, wenn die sonnenfreundlichen Flächen nicht gerade zum Trocknen von Reis nach der Ernte genutzt werden.

Schon bald könnte ein Hauch dieses geballten Gemeindelebens in Berlin zu spüren sein, wenn ein umweltfreundlicher und zeitsparender Besuch eines vietnamesischen Gemeindehauses für die Bewohner*innen der Hauptstadt und Umgebung möglich wird. Denn in den Gärten der Welt in Marzahn soll in naher Zukunft ein vietnamesischer Garten samt Gemeindehaus entstehen. Neben der Linh Thứu Pagode in Spandau, dem Đồng Xuân Großmarkt in Lichtenberg und dem Pacific-Center Asiamarkt (chợ Marzahn 17) könnte so ein weiterer größerer Ort vietnamesischen Lebens in Berlin entstehen. Die Entwürfe zweier Architekturbüros aus Hanoi und Hochheim am Main liegen dem Land Berlin bereits vor. Die Büros wollen das Projekt gemeinsam umsetzen. Nach den Planungen sind ein wasser- und pflanzenreicher Garten, ein dominierendes geschwungenes Dach sowie diverse komplexe Holzverzierungen am Gebäude vorgesehen. Viele religiöse Elemente kommen in den Skizzen zum Ausdruck.

Einen kleinen Vorgeschmack können interessierte Leser:innen sich schon jetzt holen. Im Zuge des Vorhabens läuft momentan eine Fotoausstellung zur Bauweise vietnamesischer Gemeindehäuser (Triển lãm Đình làng Việt) im iKARUS Stadtteilzentrum am Bahnhof Karlshorst. Zu sehen sind achtzehn Fotografien aus Büchern des Architekten Trần Trung Hiếu, der sich auf die alte Architektur von Gemeindehäusern und Pagoden spezialisiert hat. Eines der Portraits zeigt etwa das legendenbehaftete Gemeindehaus Đình So, welches im Jahre 1673 gebaut und vor wenigen Jahren zum nationalen Kunstarchitekturerbe Vietnams erklärt wurde. Mitorganisiert wird die Ausstellung in Karlshorst von der vietnamesischen Botschaft in Berlin anlässlich des 45-jährigen Jubiläums der diplomatischen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Sozialistischen Republik Vietnam.

 

Für Ausstellungsinteressierte:
-          Titel: „Vietnamesische Gemeindehäuser“ (Triển lãm Đình làng Việt)
-          Wo? iKARUS stadtteilzentrum, Wandlitzstraße 13, 10318 Berlin (am S Karlshorst)
-          Wann? Di und Mi: 11-17 Uhr, Do: 11-18 Uhr und Fr: 9-14 Uhr
-          Laufzeit? Vom 8. Oktober bis zum 1. Dezember 2020
-          Eintritt? Frei!
-          Corona? bis zu fünf Personen können die Räume mit Maske gleichzeitig betreten
-          Im Internet? http://www.sozdia.de/Wir-ueber-uns.579.0.html


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