Migrant*innen wollen nicht passiv sein!

Die MaMis en Movimiento e.V. sind Verein spanisch- und deutschsprachiger Menschen, die einander zu ganz unterschiedlichen Themen unterstützen. Seit einiger Zeit bieten sie verschiedene Angebote in Treptow-Köpenick an. Wir haben uns mit ihnen getroffen und über Entstehung gesprochen und was sie sich für die Zukunft wünschen.

RawafedZusammenfluss: Was machen die MaMis en Movimiento?

Karina: Wir haben zwei Säulen: Die regulären Aktivitäten und die geförderten Projekte. Wir haben mit ganz kleinen Förderungen begonnen. Seit diesem JahrLetztes Jahr wurden wir vom Senat unterstützt. Das war sehr wichtig für unsere Struktur. Bei den regulären Aktivitäten konzentrieren wir uns auf Workshops für Familien. Bilingualität steht dabei im Zentrum unserer Arbeit – auch hier in Köpenick. Wir sind aber in ganz Berlin und Potsdam tätig. Je nach den Bedürfnissen organisieren wir, was wir machen. Das ist sehr partizipativ – zum Beispiel musikalische Früherziehung oder das Erzählen von Märchen in verschiedenen Sprachen.
Da wir ein Verein für vor allem spanischsprachige Familie sind, fördern wir Kinder darin, spielerisch ihre Fähigkeiten im Spanischen herauszufinden. Dazu haben wir eine mobile Bibliothek, einen kleinen Lesekoffer. Die sind aber sehr schwer (lacht). Wenn du mit deinen Kindern unterwegs bist, kannst du den nicht so gut tragen.

RZ: Wer macht bei Euch mit?

K: Wir sind Migrantinnen, meist mit akademischer Ausbildung mit Kindern. Erstmal haben wir uns im Prenzlauer Berg getroffen – auf dem Spielplatz, ganz locker. Bei ISI e.V. konnten sie dann Erfahrungen sammeln und daraus einen eigenen Verein gründen. Mehrsprachigkeit und Partizipation waren also von Anfang wichtig.

RZ: Was ist für Euch Partizipation?

K: Das ist eine wichtige Frage. Ohne Partizipation geht bei uns nichts. Es gibt viele Konzepte bei uns im Verein dazu. Deswegen kann ich es nicht in zwei Sätzen erklären. Wir möchten die Arbeit selbst anpacken. Unsere Idee ist es, Frauen und Familien Werkzeuge an die Hand zu geben, sie zu empowern. Durch die Möglichkeit, in ihrer Sprache zu sprechen. Es gibt bei uns kein Projekt von oben. Stattdessen schauen wir, was deine Erfahrungen sind, was du mitbringst. Beispielsweise unsere lokalen Koordinatorinnen – Sarahí Sanchez machte es für Köpenick. Sie ist war die Schnittstelle zwischen dem Integrationsbeauftragten und den Teilnehmerinnen.
Andrea: In Köpenick ist es aber ganz anders als in den anderen Bezirken. Dort haben wir eine Koordinatorin und eine Leitung. Die Koordinatorin hat ganz engen Kontakt mit den Familien und motiviert sie in den Workshop teilzunehmen. Ich als Projektleiterin suche die Unterstützung vom Bezirk oder anderen Organisationen für unsere Aktvitäten und organisiere alles drum herum. Wir arbeiten also sehr eng zusammen. Sarahí Sanchez hat einfach einen sehr guten Kontakt zu den Familien, aber leider keine Zeit mehr für die Bürokratische Arbeit, weil sie wieder in den Beruf eingestiegen und dann schwanger geworden ist.

RZ: Das heißt, ihr habt die Struktur um sie herum angepasst? Das ist eher ungewöhnlich.

K: Ja, aber wir sind auch gewachsen. Flexibilität braucht einen Rahmen – das merken wir langsam. Wir überlegen gerade viel über unsere Struktur nach. Die Flexibilität wollen wir uns aber behalten!
Ihr seid schnell gewachsen, oder?
A: Ich erzähle es am besten an meiner Geschichte. Als ich nach Berlin kam, fühlte ich mich sehr einsam und wollte auch für meine Kinder Spanisch im Alltag haben. Dann habe ich die MaMis kennengelernt. Wenn du da mitmachst, die Familien geben dir, was du brauchst! Dieses Gefühl dich an den Verein. Bei uns sind Familien aus Lateinamerika, aus Spanien. Es ist eine sehr familiären Atmosphäre.
K: Wir kümmern und viel um die emotionale Ebene und stärken Frauen in ihrer Entwicklung, auch beruflich. Wir nutzen unser eigenes soziales Kapital. Wir müssen uns neu orientieren, bringen aber ganz viel mit. Bei uns ist alles möglich. In unseren Seminaren geht es um Empowerment und den Umgang mit Rassismus und Diskriminierung. Was sind unsere Möglichkeiten? Wie können wir Teil der Berliner Gesellschaft sein? Nicht als Opfer, nicht passiv, sondern ganz aktiv. Seit kurzem sind wir auch anerkannter Träger der Jugendhilfe und im Paritätischen Verband.

A: Bei VIA sind wir auch organisiert!

RZ: Vernetzung ist euch also wichtig?

A: Na klar. Wir profitieren sehr davon. Die Verbände sind immer ansprechbar. Wir bekommen andere Informationen.
Für den Paritäter ist es ja auch wichtig zu sehen, wie sich die Zivilgesellschaft verändert.
K: Absolut! Wir nehmen sehr gerne an verschiedenen Arbeitsgruppen auf lokaler Ebene teil, zum Beispiel in Pankow und Marzahn-Hellersdorf. Das ist für uns auch Partizipation – unsere Sicht der Dinge einbringen. Dadurch sind wir und unsere Arbeit weniger abstrakt. Wir und unsere Themen werden wahrgenommen. Gremien sind einfach wichtig. Du musst anwesend sein, wenn dich die Politik mitdenken soll.

RZ: Treptow-Köpenick hat ja leider noch keinen Integrationsausschuss.

A: Ich denke, wir erleben in Treptow-Köpenick gerade den Moment, dass viele Migrant:innen neu hinzukommen und sich organisieren. Das wird kommen. Wir sind eine starke Gruppe. Viele kommen auch aus anderen Bezirken zu unseren Workshops. Migrant:innen wollen nicht passiv sein, sondern sich aktiv einbringen. Es ist ja unser neues Zuhause. Wenn wir Leiterinnen brauchen, suche ich immer im Bezirk. Oft sind es bei uns Frauen, die eine Migrationsbiographie mitbringen und sie wollen nicht nur Zuhause sitzen. Der berufliche Einstieg verzögert sich oft. Ehrenamt hilft da sehr! Hauptsache praktisch.

RZ: Was erwartet uns mit euch noch in diesem Jahr?

A: Die Kinder Workshops: Lebe, tanze und spiele in deiner Sprache: Kinder zwischen 0-6 Jahre lesen und schreiben auf Spanisch: Schulkinder in JuJo. Am 12.10.2019 um 10:30 findet das Seminar zum Thema "Deutsches Bildungssystem" statt. (auf Spanisch). Der 2. Teil der Bewegungsworkshops für Frauen mit und ohne Migrations- und Fluchterfahrung, die mehrsprachigen Märchentage im November in Kooperation mit den Bibliotheken und ein Seminar zum Bildungssystem in Deutschland. Nächstes Jahr würden wir übrigens gerne wieder Tandems organisieren. Wer Lust hat, kann sich gerne bei uns melden!

RZ: Das ist ja eine Fülle an Veranstaltungen! Wir freuen uns sehr, dass ihr im Bezirk seid und wünschen euch viel Erfolg weiterhin. Danke für das Gespräch!

Dieses Interview ist Teil der Reihe "Talking to Powerful Women", initiiert von Rumeysa Yalazan, die zurzeit ein Praktikum bei RawafedZusammenfluss macht.

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Las mujeres migrantes activas!


Las MaMis en Movimiento e.V. es una asociación de personas de habla hispana y alemana que se apoyan mutuamente en diferentes temas. Desde hace algún tiempo, ofrecen diversos servicios en Treptow-Köpenick. Nos reunimos con ellas y hablamos de sus orígenes y de lo que el futuro les depara.

RawafedZusammenfluss: ¿Qué hace MaMis en Movimiento e.V.?

Karina: Tenemos dos pilares: Las actividades regulares y los proyectos financiados. Al principio empezamos con subvenciones muy pequeñas. El año pasado recibimos el apoyo del Senado. Eso fue muy importante para nuestra estructura. Nuestras actividades regulares se centran en talleres para familias. El bilingüismo está en el centro de nuestro trabajo, también aquí en Köpenick. Pero estamos activas en todo Berlín y Potsdam. Dependiendo de las demandas de la comunidad hispanohablante, organizamos lo que ofrecemos. Esto es muy participativo - por ejemplo, educación musical temprana o contar cuentos infantiles en diferentes idiomas. Como somos una asociación para familias principalmente hispanohablantes, animamos a los niño/as a que se desarollen de forma lúdica sus conocimientos de español. Tenemos una biblioteca móvil, un pequeña maleta de lectura.

RZ: ¿Quienes se únen a ustedes?

K: Somos mujeres migrantes, en su mayoría con educación académica y con hijo/as. Primero nos conocimos en Prenzlauer Berg, en una plaza, de manera informal. En ISI e.V. pudimos adquirir experiencia y fundar una propia asociación. El multilingüismo y la participación fueron importantes desde el principio.

RZ: ¿Qué es la participación para ustedes?

K: Esa es una pregunta importante. Sin participación nada funciona para nosotros. Hay muchos conceptos para esto en nuestra asociación. Por eso no puedo explicarlo en dos oraciones. Nos gustaría abordar el trabajo nosotras mismas. Nuestra idea es dar a las mujeres y a las familias herramientas para empoderarlas. Dándoles la oportunidad de hablar en su propio idioma. No hay ningún proyecto desde arriba. En vez de eso, miramos lo que son sus experiencias, lo que traen consigo y pueden aportar. Por ejemplo, nuestras coordinadores locales, en Köpenick Sarahí Sanchez. Ella era la interfaz entre la oficina de integración y los participantes.

Andrea: Pero en Köpenick es muy diferente de los otros distritos. Allí tenemos una coordinadora y una líder de proyecto. La coordinadora tiene un contacto muy estrecho con las familias y las motiva a participar en los talleres. Como líder de proyecto. yo busco el apoyo económico del distrito o de otras organizaciones para nuestras actividades y organizo todo a su alrededor. Pero trabajamos juntas. Sarahí Sánchez es muy importante porque tiene muy buen contacto con las familias, pero desafortunadamente ya no tiene tiempo para el trabajo burocrático, empezó a trabajar de nuevo y luego quedó embarazada.

RZ: ¿Así que han adaptado la estructura al contexto? Eso es bastante inusual.

K: Sí, pero también hemos crecido. La flexibilidad necesita un marco de trabajo - estamos empezando a darnos cuenta de ello. Estamos pensando mucho en nuestra estructura en este momento. Pero queremos mantener esa flexibilidad!

RZ: Han crecido rápido, ¿verdad?

A: Lo digo mejor por mi historia. Cuando llegué a Berlín, me sentí muy sola y también quería tener actividades en español para mis hijos en la vida diaria. Entonces conocí a las MaMis. Si te unes, las familias te darán lo que necesitas! Esta sensación te hace ser parte de la asociación. Tenemos familias de América Latina, de España. Es un ambiente muy familiar.
K: Nos preocupamos mucho por el nivel emocional y fortalecemos a las mujeres en su desarrollo, también profesionalmente. Utilizamos nuestro propio capital social. Tenemos que reorientarnos, pero traemos mucho con nosotras. Todo es posible con nosotras. Nuestros seminarios tratan sobre el empoderamiento y la lucha contra el racismo y la discriminación. ¿Cuáles son nuestras posibilidades? ¿Cómo podemos formar parte de la sociedad berlinesa? No como víctimas, no pasivamente, sino muy activamente. Recientemente, también nos hemos convertido en un proveedor reconocido de servicios de asistencia a la juventud y en miembro de la Paritätischer Verband.
A: De VIA e.V. también somos miembros!

RZ: Entonces, ¿construir redes es importante para ustedes?

A: Por supuesto. Nos beneficiamos mucho de ello. Las asociaciones son siempre accesibles. Obtenemos otra información.

RZ: Para los funcionarios también es importante ver cómo está cambiando la sociedad civil.

K: ¡Por supuesto! Estamos muy contentos de participar en varios grupos de trabajo a nivel local, por ejemplo en Pankow y Marzahn-Hellersdorf. Para nosotros, eso también significa participación, es decir, aportar nuestra visión de las cosas. Esto nos hace, a nosotras y a nuestro trabajo, menos abstractas. Nosotros y nuestros temas son tomados en cuenta. Los gremios son importantes. Tienes que estar presente para que la política piense en tí.

RZ: Treptow-Köpenick lamentablemente no tiene todavía un comité de integración.

A: Creo que en Treptow-Köpenick estamos viviendo el momento en el que muchos inmigrantes están llegando y organizándose. Eso vendrá. Somos un grupo fuerte. Muchos también vienen de otros distritos a nuestros talleres. Lo/as Migrantes no quieren ser pasivo/as, quieren involucrarse activamente. Es nuestro nuevo hogar. Cuando necesitamos talleristas, siempre las busco en el grupo del distrito. A menudo tenemos mujeres que traen consigo una historia de migración y no sólo quieren quedarse en casa. El comienzo profesional se retrasa a menudo. El voluntariado ayuda mucho! Lo principal es la practicidad.

RZ: ¿Qué podemos esperar de ustedes este año?

A: Dos talleres para niños: Vive, baila y juega en tu idioma: Para niños de 0 a 6 años y Lengua escrita en español: Para niños escolares en el JuJo.El 12.10.2019 a las 10:30 tendrá lugar el seminario "Sistema Educativo Alemán" (en español).La segunda parte de los talleres de baile para mujeres refugiadas con y sin experiencia de migración. Los cuentacuentos en diferentes idiomas en noviembre en cooperación con las bibliotecas y centros familiares. El año que viene, por cierto, nos gustaría volver a organizar tandems. Quienes lo deseen, pueden ponerse contacto con nosotras.
Eso es una abundancia de eventos! Estamos muy contentos de que ustedes esten en el distrito y le deseamos mucho éxito. Gracias por la entrevista!'

Esta entrevista forma parte de la serie "Hablando con mujeres poderosas", iniciada por Rumeysa Yalazan, que actualmente está haciendo una pasantía en RawafedZusammenfluss.


About the author
Katha
Katha

Katha koordiniert InteraXion, das Willkommensbüro für Migrant*innen und geflüchtete Menschen in Treptow-Köpenick. Sie begleitet RawafedZusammenfluss von hauptamtlicher Seite. Journalistische Erfahrung konnte sie durch verschiedene Projekte der Jugendpresse und dem Studierendenmagazin UnAufgefordert sammeln. Wenn sie nicht nach neuen Geschichten sucht, tummelt sie sich in Boulderhallen.

Katha coordinates InteraXion, the welcome office for migrants* and refugees in Treptow-Köpenick and accompanies RawafedZusammenfluss through her work. She gained journalistic experience through various youth press projects and the student magazine UnAufgefordert. When she is not looking for new stories, she spends her time in bouldering halls.

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